Tipps gegen den Stress im Lehreralltag – Teil 2

vom 12.03.2020

Lehrergesundheit ist ein Thema, welches nach Jahren des Belächelt -werdens glücklicherweise langsam in die Aufmerksamkeit der Gesellschaft, Politik und Dienstherren rückt.

Denn Lehrersein ist mehr als basteln, singen und Ferien. Die Anforderungen an Lehrer wachsen stetig und der Personalmangel an den Schulen sorgt für permanente Arbeitsüberlastung.

Tipps gegen den Stress im Lehreralltag – Teil 2

Da Stress, Überforderung und Zeitdruck viele Lehrer dauerhaft belasten, haben wir bereits in der vergangenen Woche hilfreiche Tipps von der Wochenplanung, über geplante Auszeiten bis hin zur Ordnung am Arbeitsplatz zusammengetragen. Nun folgt der zweite Teil unserer Anti-Stress-Tipps für Lehrerinnen und Lehrer.

Tipp 9 – Bewertung mit Plan

Nach wie vor arbeiten viele Lehrer ohne klare Bewertungsschemata, einfach „aus dem Bauch heraus“. Die Ausarbeitung klarer Bewertungsraster und -kriterien erleichtert den Korrekturaufwand jedoch erheblich und beschleunigt die Punktevergabe. Hinzu kommt ein enormer Vorteil, wenn es darum geht, Ihre Bewertungen vor Schülern und Eltern zu rechtfertigen. Wer seine Entscheidung objektiv begründen und beweisen kann, dass alle Schüler nach demselben Maßstab bewertet wurden, muss keine Nachfragen und Meinungsverschiedenheiten scheuen. Glauben Sie uns: der Stressfaktor „Angst vor Auseinandersetzungen“ kann einem gehörig zusetzen!

Tipp 10 – Freiarbeit

Beziehen Sie bei der Unterrichtsplanung ganz bewusst immer wieder die Schüler mit ein. Gruppen- und Freiarbeitszeiten sparen nicht nur Vorbereitungszeit, sondern bieten den Schülern außerdem die Chance, Inhalte eigenständig zu erarbeiten und so besser zu verinnerlichen. Insbesondere in Phasen, in denen z. B. umfangreiche Klausurkorrekturen anfallen, können Sie diese Unterrichtsformen gezielt zu Ihrer eigenen Entlastung einsetzen.

Tipp 11 – Sie kämpfen nicht allein

Der Austausch von ausgearbeiteten Unterrichtsmaterialien, wie PowerPoint-Präsentationen, Videomaterial u. ä. mit Kollegen kann Sie entlasten. Und auch sonst kann es nur von Vorteil sein, einen überschaubaren Kreis an zuverlässigen, motivierten Kolleginnen und Kollegen um sich zu haben, der einen in akuten Situationen unterstützen kann. Auch als Lehrer profitiert man davon, Teil eines funktionierenden Teams zu sein.

Tipp 12 – Erreichbarkeit

Auch Lehrer haben mal Feierabend. Es ist völlig legitim, wenn Sie z. B. ab 18 Uhr keine E-Mails mehr lesen oder Anrufe entgegennehmen. Wenn Sie die Dienstmail, die Ihre Schulleitung um 20.30 Uhr geschickt hat, nicht mehr lesen, kann man Ihnen das kaum vorwerfen. Also nehmen Sie sich die Freiheit, zu gewissen Zeiten und an den Wochenenden einfach nicht (mehr) erreichbar zu sein.

Tipp 13 – Work-Life-Balance

Trennen Sie Arbeit und Freizeit ganz bewusst. Da die meisten Lehrer darauf angewiesen sind, von zu Hause aus zu arbeiten, ist dies manchmal nicht ganz einfach. Umso wichtiger ist es, an diesem Punkt Selbstdisziplin walten zu lassen. Erledigen Sie keine Schulaufgaben, obwohl sie den Tag eigentlich mit der Familie verbringen wollten. Oft lässt es sich nicht gänzlich vermeiden, in den Abendstunden, an Wochenenden und während des Urlaubs die ein oder andere Aufgaben zu erledigen. Dies sollte jedoch die Ausnahme bleiben. Legen Sie ganz genau fest, welches Zeitfenster Sie hierfür einplanen und beenden Sie Ihre Arbeit wie geplant.

Tipp 14 – Puffer

Planen Sie sich zu Ihrer eigenen Sicherheit immer Zeitpuffer ein. Sei es für den Heimweg, zum Abholen der Kinder aus der Kita, den Einkauf oder zwischen Ankunft in der Schule und Unterrichtsbeginn. So vermeiden Sie, schon aus reinem Zeitdruck in Hektik zu geraten, welche eigentlich hätte vermieden werden können.

Tipp 15 – Das Hier und Jetzt

Versuchen Sie, nicht zu viele Sorgen und Gedanken an die Zukunft oder anstehende Stressphasen zu verschwenden. Es blockiert die Energie, die Sie aktuell benötigen und zieht Sie unnötig runter. Niemand von uns kann in die Zukunft sehen, daher können wir uns getrost auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Tipp 16 – Herzensangelegenheit

Zum Schluss die wohl wichtigste Regel überhaupt: Seien Sie mit dem Herzen bei der Sache. Im Chaos des Alltags kann man schon mal vergessen, wie man überhaupt in diesem Klassenzimmer gelandet ist. Dabei sind wir sicher, dass jeder von Ihnen sehr gute Gründe hatte, sich für diesen Beruf zu entscheiden. Wann haben Sie sich das letzte Mal ganz bewusst daran erinnert, was Sie bei Ihrer Berufswahl angetrieben hat? Wer sich jederzeit ins Gedächtnis rufen kann, weshalb er morgens zur Arbeit geht und was ihn antreibt, der fühlt den Sinn seiner Aufgabe. Also nehmen Sie sich doch mal wieder vor, sich auf Ihre „Warums“ zu fokussieren“. Vielleicht schreiben Sie sich eine Liste, mit den ganzen sehr guten Gründen, als Lehrer zu arbeiten, mit all den Aspekten, die Sie motivieren und die Ihnen Freude bereiten. Mit der richtigen Einstellung und dem Wissen, wofür man sich engagiert, arbeitet es sich viel leichter.

Sie als Lehrer tragen eine große Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft. Sie prägen unsere Kinder, beeinflussen, was ihnen Freude bereitet und wie gut sie sich motivieren können. Nicht selten kommt von bedeutenden Personen der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens auf Fragen, nach Ihrer Berufswahl, folgender Satz: „Ich hatte damals einen ganz tollen Lehrer in…“. Und das ist kein Zufall. Lehrerinnen und Lehrer spielen eine tragende Rolle im Leben eines Menschen – und darauf dürfen Sie stolz sein! Umso wichtiger ist es, dass Ihre Arbeit wertgeschätzt und die körperliche und vor allem mentale Gesundheit von Lehrpersonal an Schulen gefördert und erhalten wird. Wir hoffen, mit unseren Beratungs- und Informationsangeboten einen kleinen, aber hilfreichen Teil hierfür beizutragen.

P.S.:
Wir freuen uns immer, uns mit Ihnen auszutauschen, Ihre Erfahrungen zu hören und Sie weiter, u. a. zum Thema Absicherung der Arbeitskraft im Krankheitsfall beraten zu dürfen. Gerne laden wir Sie zu einem persönlichen Kennenlerngespräch ein. Melden Sie sich bei uns.

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